10.03.2010

Bewegungsbilanz und Privatentnahmen

Prüfung der Liquidität

Wo ist das Geld geblieben? Diese Frage stellen sich auch Unternehmer immer wieder, wenn die Konten Schwächen zeigen, obwohl die BWA (BetriebsWirtschaftliche Auswertung) doch einen Gewinn ausweist. Die Antwort gibt eine leider oft unbeachtete Auswertung: die Bewegungsbilanz.

Die Bewegungsbilanz zeigt die Veränderung der wichtigsten Bilanzpositionen, also die Veränderungen des Vermögens und der Schulden seit Beginn des Wirtschaftsjahres. Auf der linken Seite ist die Mittelverwendung ersichtlich (Wo ist das Geld geblieben?). Sie wird durch eine Erhöhung der Aktiva, zum Beispiel Anlagevermögen, oder eine Minderung der Passiva, zum Beispiel Privatentnahmen, angezeigt. Die rechte Seite gibt Auskunft über die Mittelherkunft (Wo kam das Geld her?), zu erkennen an einer Minderung der Aktiva oder einer Erhöhung der Passiva.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wo das Geld hergekommen sein kann. Zum Beispiel aus dem eigenen Unternehmen. In dem Fall schrumpft das Vermögen (Aktiva), weil etwa das Lager abgebaut oder Geld vom Bankkonto genommen wurde. Oder das Geld kommt von "draußen", die Schulden oder das Eigenkapital (Passiva) nehmen also zu. Dann kann das Kapital beispielsweise aus einem neuen Bankkredit stammen, aus einem Lieferantenkredit oder aus Privateinlagen, im Idealfall eben aus dem Gewinn.

Wo ist dieses Geld geblieben? Entweder es steckt im Unternehmen, dann erhöht sich das Vermögen (Aktiva). Oder es wurde extern verwendet, etwa um Schulden zu tilgen oder für Privatentnahmen (Passiva).

Durch die Analyse der Bewegungsbilanz können Probleme sichtbar werden, welche aus der normale BWA, die nur den Erfolg betrachtet, nicht ablesbar sind, zum Beispiel wenn die Investitionen gestiegen sind. Wurde sinnvoll investiert? Ergibt sich daraus in der BWA auch eine Erhöhung des Umsatzes und Gewinns? Wie wurde finanziert? Etwa aus vorhandenen Mitteln oder langfristig durch einen Kredit mit einer Laufzeit entsprechend der Nutzungsdauer oder durch Überziehung des Geschäftskontos?

Wichtige Anhaltspunkte liefert auch der Blick auf die Veränderungen der Forderungen. Sind sie gestiegen, vielleicht weil die Kunden spät oder gar nicht zahlen? Gibt es "nur" Probleme mit dem Mahnwesen, können die Kunden nicht zahlen (Ausfall) oder wollen sie nicht (Reklamationen)? Wie wurde der Ausfall an Liquidität finanziert? Über die Bank oder durch Hinauszögern der eigenen Zahlungen an Lieferanten mit den entsprechenden Negativfolgen?

Last but not least, die Prüfung der Privatentnahmen im Vergleich zum Gewinn: Wurde eventuell mehr entnommen als verdient wurde, bzw. deckt der Gewinn das Geschäftsführergehalt ab? Spätestens ab hier wird der Unternehmer aber hoffentlich wissen, wo das Geld geblieben ist und wo er gegebenfalls sparen kann.

 

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