01.01.2000

Franchising – Chancen und Risiken

Franchising – Chancen und Risiken

Beim Franchising vermietet ein Unternehmer (Franchise-Geber) sein am Markt erprobtes Geschäftskonzept an weitere Unternehmer (Franchise-Nehmer). Außerdem bietet er dazu ein Programm zur Schulung und regelmäßiges Training in allen wirtschaftlichen Belangen an. Franchise-Nehmer können daher – in der Regel – mit einer bewährten Geschäftsidee starten. Franchising ist aber dennoch kein System ohne Risiken, weder für Franchise-Geber noch für Franchise-Nehmer.

Franchise-Geber

Die Herausforderung für Franchise-Geber, ein Franchise-System zu organisieren, besteht darin, hoch motivierte Mitunternehmer und zusätzliches Kapital für die Expansion zu gewinnen. Franchising – seriös organisiert – verlangt dabei zunächst erhebliche Aufwendungen des Franchise-Gebers: Die eigene Geschäftsidee muss einem Praxistest unterzogen werden. Diesen Test sollte der Geber auf eigenes Risiko finanzieren. Das Ergebnis ist – wenn alles gut geht – eine erprobte Geschäftskonzeption und ein im Detail niedergelegtes Geschäftskonzept im Franchise-Handbuch. Vorarbeit ist teuer: Experten rechnen mit Aufwendungen von mindestens einer Million Euro. Manche Franchise-Systeme, die im Markt operieren, haben diese Investitionen nicht getätigt. Die Folge: Die notwendige Entwicklungsarbeit hat der Franchise-Nehmer selbst zu leisten. 

Franchise-Nehmer

Vorteilhaft für ihn ist, das Know-how und die Erfahrungen des System-Gebers übernehmen zu können, dessen erprobte und erfolgreiche Produkte oder Dienstleistungen. Der Franchise-Nehmer trifft seine Investitionsentscheidungen also im Idealfall unter größtmöglicher Sicherheit, profitiert von der Kostenteilung für Marketingausgaben, von der Arbeitsteilung mit dem Franchise-Geber und erhält dadurch die Möglichkeit, sich auf seine Kunden zu konzentrieren.

Welches Franchise-System?

Selbständige, die sich unter den genannten Prämissen in ein Franchise-System einkaufen wollen, stehen vor der Qual der Wahl: rund 910 Systeme operieren derzeit am Markt. Davon sind etwa 270 im Deutschen Franchise-Verband (DFV) organisiert. Der DFV hat sich mit eigenen Aufnahmerichtlinien die Aufgabe gestellt, die schwarzen von den weißen Schafen zu trennen. Denn mancher Franchise-Geber liefert seinen Franchise-Partnern nur Ware und ein umstrittenes Werbepaket, mehr nicht! Es fehlen die betriebswirtschaftliche Unterstützung, Rat und Tat durch Betriebsberater und eine Fortentwicklung des Systems durch Mitbestimmung in Franchise-Nehmer-Beiräten.

Das sollte ein Franchise-System bieten

Ein gutes Franchise-System hilft Ihnen durch seine Leistungen dabei, sich auf Ihre eigentliche Geschäftsidee zu konzentrieren. So sollten Ihnen die System-Leistungen anfallende Verwaltungsaufgaben abnehmen. Außerdem sollten sie Ihnen Ruhe und Sicherheit in Ihrer täglichen Arbeit vermitteln: z.B. durch die Bereitstellung der richtigen Werbemittel. Dadurch bleiben Ihnen Zeit und Energie für den Aufbau Ihres Geschäftes.

Die verschiedenen Franchise-Systeme bieten eine Vielzahl von konkreten Leistungen. Welche Leistungen ein Franchise-System bieten sollte, finden Sie im Folgenden aufgelistet. Da die meisten Franchise-Angebote direkt oder indirekt mit dem Einzelhandel zu tun haben, beziehen sich auch unsere Beispiel-Leistungen beispielhaft darauf.

  • Existenzgründungshilfen wie Finanzierungsberatung, Einrichtungs- und Planungshilfen usw.
  • Konzipierung von Werbemaßnahmen
  • Durchführung regionaler und überregionaler Werbe- und PR-Maßnahmen
  • Bereitstellung von Werbe- und Verkaufsförderungsartikeln
  • zentraler Einkauf
  • zentrale Buchhaltung
  • zentrale Datenverarbeitung
  • Bereitstellung von Marktvergleichsdaten in Form eines Betriebsvergleiches
  • Bereitstellung von Handbüchern, welche die wichtigsten Fragen in Bezug auf Organisation, Werbung usw. im täglichen Geschäftsablauf erklären
  • laufende betriebswirtschaftliche Beratung
  • Beratung bei Steuer- und Jahresabschlüssen
  • demokratische Organe in Beiräten (Systembeirat, Werbebeirat, Produktbeirat, EDV-Beirat)
  • Hilfe bei Versicherung, Gebühren usw.
  • Schulungen und Seminare

 Quelle: Franchise-Institut für die deutsche Wirtschaft GmbHrsicht

 

Worauf Franchise-Nehmer bei der Franchise-Auswahl und

Partnersuche achten sollten

Eignung zum Franchise-Nehmer?

  • Wenn Sie sich selbständig machen wollen: Verlieren Sie durch die Franchise-Vorgaben nicht zu viel eigene Entscheidungsfreiheit?
  • Verfügen Sie über ausreichende kaufmännische oder fachliche Qualifikationen für die Selbständigkeit und sind Sie bereit, ständig dazuzulernen?
  • Sind Sie bereit, die für das Funktionieren des jeweiligen Franchise-Systems notwendigen Vorgaben einzuhalten?

Welche Marktchancen hat die Franchise-Idee?

  • Haben Sie Konkurrenz am Ort?
  • Inwiefern heben sich Ihre Produkte und Dienste von der Konkurrenz vor Ort ab? Sind sie saisonabhängig?
  • Was denken potenzielle Kunden über das Franchise-Angebot?
  • Ist der Markenname geschützt? Sind Patente und Warenzeichen erteilt?
  • Ist der Verkaufspreis am Standort realisierbar?

Information über den Franchise-Geber?

  • Wie lange ist er im Geschäft?
  • Wie gut ist das Management?
  • Wie viel Erfahrung hat er?
  • Gibt es dafür Referenzen?
  • Wie ist seine Kapitalsituation?
  • Wie ist das Firmen-Image?
  • Wie viele Franchise-Nehmer gibt es? Seit wann?
  • Führt er einen Eignungstest mit Ihnen durch?
  • Ist er Mitglied in einem Fachverband (DFV)?
  • Schreibt der Franchise-Geber die Preise für Ihr Produkt vor (nicht zulässig!)?
  • Müssen Sie Betriebsmittel und Waren zu 100 % beim Geber beziehen?

Ist das Franchise-Angebot hieb- und stichfest?

  • Passen Produkt, Partner und Franchise-Paket zu Ihnen?
  • Ist fachliche und kaufmännische Erfahrung erforderlich?
  • Gibt es eine ausreichende Schulung und Betriebsvorbereitung, Weiterbildung?
  • Existiert ein Handbuch zur Betriebsführung?
  • Gibt es Beratung und Hilfe bei Schwierigkeiten?
  • Gibt es Serviceleistungen des Gebers in den Bereichen Einkauf, Werbung, PR-Maßnahmen usw.?

Stimmt das Zahlenwerk?

  • Was werden Sie verdienen?
  • Wie hoch ist Ihr Kapitalbedarf?
  • Sind alle Kosten drin? Auch die kalkulatorischen?
  • Sind Einstiegsgebühr und laufende Gebühren, zahlbar in Prozent vom Bruttoumsatz, angemessen/marktgerecht?
  • Was ist in Einstiegs- und laufenden Gebühren enthalten?
  • Was ist extra zu zahlen?
  • Wie sichern Sie die Liquidität in den nächsten drei Jahren?
  • Unterstützt Sie der Franchise-Geber bei der Erstellung eines Liquiditätsplans und einer Erfolgsvorschau?

Finanzierung

  • Gibt es öffentliche Fördermittel?
  • Legt Ihnen der Franchise-Geber eine Bestätigung der KfW Mittelstandsbank vor, dass eine Förderung von Franchise-Nehmern dieses Systems grundsätzlich möglich ist?
  • Bankenfinanzierung: Gibt es bereits ein partnerschaftliches Verhältnis des Franchise-Gebers zu einem Kreditinstitut?
  • Bestehen Vereinbarungen zwischen Kreditinstitut und Franchise-Geber?

Franchise-Vertrag

  • Wie viel Zeit haben Sie, den Vertrag vor Ihrer Unterschrift zu prüfen?
  • Ist Ihr Franchise-Vorhaben ein zweites Standbein zu einer bestehenden Existenz? Zu einer unselbständigen Tätigkeit?
  • Wird Ihnen Gebietsschutz garantiert?
  • Ist der Vertrag von der KfW Mittelstandsbank anerkannt?
  • Wie sind die Vertragsfristen? Sie betragen in der Regel zunächst zehn Jahre. Darum, vertrauen Sie Ihrem Vertragspartner?
  • Welche Verlängerungsmöglichkeiten bestehen?
  • Bei Vertragsverstößen Ihrerseits: Kündigt der Geber mit sofortiger Wirkung oder ist eine Abmahnungsmöglichkeit vorgesehen?
  • Wie hoch sind die Vertragsstrafen?

Bei Beendigung der Partnerschaft

  • Welche Möglichkeiten des Verkaufs gibt es?
  • Gibt es ein Ausübungs- bzw. Wettbewerbsverbot? Reichen (kleine) Veränderungen im Erscheinungsbild, Warensortiment etc., um weiterhin in der Branche tätig zu sein?
  • Gibt es eine Konkurrenzklausel?
  • Ist lt. Vertrag eine Anfangsschulung vorgesehen?
  • Sind gewerbliche Schutzrechte vertraglich nachgewiesen? (Firmen-Logo u. Name sollten beim Deutschen Patentamt eingetragen sein.)

Master-Franchise – vertragliche Mindestvereinbarungen

  • Vertragsgebiet und Gebietsschutz des Master-Franchise-Nehmers
  • Regelung über Waren- und Schutzrechte
  • Leistungen des Master-Franchise-Gebers hinsichtlich Schulung und Betreuung: Aufbau der Systemzentrale des Master-Franchise-Nehmers, bei Errichtung des/der Pilotbetriebs/e und während der Startphase, bei Entwicklung des Franchise-Systems in der Aufbauphase, laufende Schulung und Betreuung nach Etablierung des Master-Franchise-Systems
  • Pflichten des Master-Franchise-Nehmers: Markt entwickeln und Expansionsziele
  • Vertragsgebiet und Gebietsschutz des Master-Franchise-Nehmers
  • Regelung über Waren- und Schutzrechte
  • Leistungen des Master-Franchise-Gebers hinsichtlich Schulung und Betreuung: Aufbau der Systemzentrale des Master-Franchise-Nehmers, bei Errichtung des/der Pilotbetriebs/e und während der Startphase, bei Entwicklung des Franchise-Systems in der Aufbauphase, laufende Schulung und Betreuung nach Etablierung des Master-Franchise-Systems
  • Pflichten des Master-Franchise-Nehmers: Markt entwickeln und Expansionsziele festlegen, Wahrnehmung der vertraglichen Pflichten gegenüber dem (Unter-) Franchise-Nehmer, Verpflichtung zur Teilnahme an den Schulungen des Master-Franchise-Gebers und zur Durchführung des Schulungskonzeptes bei den eigenen Franchise-Nehmern, die laufende Verbesserung und Perfektionierung des Franchise-Systems, die Durchführung sämtlicher Kernfunktionen und organisatorischen Regelungen der Master-Franchise (Marketing, Werbung, Organisation, Controlling)
  • Realisierung des Europäischen Verhaltenskodexes für Franchising (falls Europa)
  • Laufzeiten des Master-Franchise-Vertrages und der (Unter-)Franchise-Verträge
  • Master-Franchise-Gebühren und Franchise-Gebühren
  • Regelungen der Gebiets-, Bezugs-, Ausschließlichkeits- und Vertriebsbeschränkungen sowie Preisempfehlungen, soweit mit der EG-Gruppen-Freistellungsverordnung vereinbar
  • Informationspflichten des Master-Franchise-Nehmers und Datenzugriffsrechte durch den Master-Franchise-Geber Wettbewerbsverbot
  • Kündigungsrecht und Folgen der Vertragsbeendigung

 

Quelle: Franchise-Institut für die deutsche Wirtschaft GmbH (FIW), Rodenberg. Hinweise zu Franchise-Verträgen innerhalb Deutschlands s. S. I und II.


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